Behandlung von Pruritus mit ECADHome » Behandlungen » Behandlung von Pruritus mit ECAD

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Der Pruritus (Juckreiz) ist neben Schmerzen die häufigste subjektive Missempfindung, über die von Patienten in der dermatologischen Praxis geklagt wird. Er tritt sichtbar und ohne erkennbare äußerliche Veränderungen der Haut auf. Wer unter Pruritus leidet, empfindet ihn als lästig bis qualvoll. Er kann zur eingeschränkten Arbeitsfähigkeit oder Schlaflosigkeit und letztlich zu physischer und psychischer Erschöpfung führen. In extremen Fällen werden Patienten aufgrund des dauerhaften Leidens suizidal.

Pruritus ist therapeutisch schwer zu behandeln. Häufig tritt der Juckreiz bei Erkrankungen der Gallenwege (z. B. PBC oder PSC) innerhalb der Leber auf. Nach neuesten Erkenntnissen entsteht der Juckreiz durch endogene Opioide an den Nervenenden im Hirn. Eine medikamentöse Behandlung mit Opiat-Antagonisten kann in diesen Fällen hilfreich sein. Auch andere Medikamente, wie der Stimmungsaufheller Sertalin (ein Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, SSRI), können erfolgreich sein.

Sollten Sie an einer Leberinsuffizienz mit einhergehendem Pruritus leiden, sollten Sie eine mögliche weitere Leberschädigung durch die erhöhte Medikamenteneinnahme bedenken. Die extrakorporale Albumindialyse kann in schwierigen Fällen erfolgreich eingesetzt werden, wie bei PBC-Patienten gezeigt wurde.

ECAD ist eine Blutreinigungsmethode, die von der Dialyse abgeleitet wurde. Wie bei der Dialyse wird das Blut aus einer Vene gepumpt und fließt durch ein Filtersystem, bestehend aus Hohlfasermembranen, die aus Polymeren bestehen. Das Filtersystem ist von einer reinigenden Lösung umgeben, die Albumin enthält, welches die Toxine durch die Poren zieht und wertvolle Proteine und Blutzellen erhält.

In den 1930er Jahren wurde die Dialyse eingeführt, um ein hohes Maß an wasserlöslichen Toxinen bei Patienten mit Nierenversagen zu entfernen. Seit über einem halben Jahrhundert hat sich die Dialyse als wirksame und sichere Behandlungsoption für Tausende von Patienten etabliert, die ihre Lebensqualität erheblich verbessert. Seitdem sind Versuche gemacht worden die Dialyse nutzen, um andere Erkrankungen mit erhöhten Toxin-Werte im Blut, wie Gelbsucht bei Leberversagen zu behandeln. Im Gegensatz zu Nierenversagen, sind viele Giftstoffe bei Lebererkrankungen, wie Gallensäuren und Bilirubin, nicht wasserlöslich und neigen dazu, sich an gesunde Proteine zu heften und machen deren Entfernung schwierig. Albumin Dialyse wurde entwickelt, um Gallensäuren und Bilirubin vom gesunden Proteinen zu entfernen. Albumin ist ein Protein im menschlichen Blutplasma, das zur Reinigungslösung hinzugefügt wird und wirkt wie ein natürliches Reinigungsmittel, welches den gesunden Blut-Proteinen Toxine entzieht und durch die Filter entsorgt.

Albumin erhöht den Abtransport von Giftstoffen durch Blutreinigung außerhalb des Körpers und gibt ihr den Namen "Extrakorporale Albumindialyse". Seit ECAD entwickelt wurde, haben Studien Verbesserung bei niedrigem Blutdruck und Leberkoma gezeigt.

Während der Studien wurde eine überraschende Wirkung der Albumindialyse entdeckt: sie entlastet Patienten, die an Pruritus (dem Juckreiz) litten. Weitere Studien bestätigten, dass auch andere schädliche Stoffe, die sich tendenziell auf gesunde Proteine aufsetzen, wie beispielsweise Gallensäuren, die Pruritus auslösen, erfolgreich durch ECAD entfernt wurden.

Die Behandlung: Bei Patienten mit hartnäckigem Juckreiz wird die Anamnese und eine körperliche Untersuchung durch einen Spezialisten der Leberdialyse mit dem medizinischen Hintergrund Innere Medizin und dem Schwerpunkt auf Lebererkrankungen und Dialyse durchgeführt.
Wenn sich alle bisher bekannten medizinischen Behandlungen als unwirksam erwiesen haben und immer noch Juckreiz im Zusammenhang mit der Lebererkrankung auftritt, wird der Patient für eine optionale Albumindialyse geprüft. Wenn es keine Kontraindikationen (wie instabilen Blutdruck oder hohes Blutungsrisiko)gibt, wird der Patient für die Behandlung evaluiert und sollte er ein Kandidat sein, beginnt die Behandlung. Der Spezialist wird entscheiden, welchen Blutzugang (periphere Venen oder zentrale Venen) der optimale und für die Anwendung der geeignete ist. In einigen Fällen wird der Leberdialyse-Spezialist einen Intensivmediziner oder Chirurgen konsultieren um ihn beim Legen des Blutzugangs zu unterstützen. Falls erforderlich, wird die Position des Zugangs durch eine Röntgenaufnahme kontrolliert.
Die Behandlung wird in einer ambulanten Dialyse-Praxis oder einer gleichwertigen, in Albumindialyse spezialisierten Einrichtung, durchgeführt werden. Nach der Behandlung wird der Patient darauf hingewiesen, für eine Stunde zu warten, um das Risiko von Komplikationen zu vermeiden.
Nach der Wartezeit kann der Patient entlassen werden. Der Patient kann die Klinik verlassen, um die Nacht in seinem Hotelzimmer zu verbringen. In Fällen, die med. Überwachung benötigen, kann der Patient entscheiden, nach der Behandlung im Krankenhaus zu bleiben.
Es ist erwiesen, dass Albumindialyse Komplikationen der Lebererkrankung, wie Pruritus (Juckreiz), hämodynamische Störungen, die einen niedrigen Blutdruck und Leberkoma verursachen können, verbessern kann. Ob ECAD das Überleben verlängern kann und wenn, bei welcher Anzahl von Patienten wird derzeit noch untersucht.

Kliniken, die diese Behandlung anbieten:

Universitätsmedizin Rostock